Friends of Lingshed Friends of Lingshed
Home
Aktuelles
Lingshed - Dorf
Unser Team
Was wir tun
Unser Leitbild
Fotos
Geschichte
Patenkinder
Stories
Infos
Kontakt
Search
- - - - - - - - - - - - - - - - - - -
FairReisen
Trekking-Reisen
English
Stories
Hier lesen Sie ganz persönliche Gedanken - neben den Projektberichten, die v.a. der Information der Spenderinnen und Spender dienen, werden hier persönlich berührende Erlebnisse und Eindrücke geschildert.

2008 Greta Kostka über Thinlas Lhamo
Vom Hirtenmädchen zur Lehrerin - eine ladakhische Erfolgsstory
Image
Greta Kostka erzählt über Thinlas Lhamo, die als Lehrerin in der Solarschule arbeitet.

Wer ist Thinlas Lhamo?
Eine Reise in de Vergangenheit… vor 20 Jahren…. Wir sind im Srang-Zhungpa, einem Bauernhof am Rande von Lingshed. auf fast 4000 Meter Seehöhe in einer extremen Gegend: 6 Monate Winter, 6 Monate Sommer, ein paar Bauernhöfe und rundherum Felder auf Terrassen, leuchtend grün, in der bizarren Felswüste ein atemberaubend schöner Kontrast. Die Höfe sind wegen der extremen Witterung mit dicken Mauern wie kleine Festungen gebaut. Sie beherbergen eine Familie mit ihren Tieren: Yaks, Ziegen und Schafen.
Thinlas Lhamo ist sechs Jahre alt und hütet die Schafe auf dem Berg. Thinlas Lhamo hat 5 Geschwister. Ihre Mutter arbeitet zu Hause auf den Gerstenfeldern, der Vater hat einen kleinen Job als Ziegenhirte, er ist tagelang fort.
Thinlas Lhamo kennt nichts anderes: Schafe auf die Weide treiben, warten, aufpassen, warten, immer ein wachsames Auge, denn ab und zu zeigen sich Wölfe am Horizont.
Manchmal hilft ihr der ältere Bruder Stanzin oder die Schwester Odzal beim Schafehüten, aber oft ist sie allein, denn die beiden älteren Geschwister werden zu Hause bei der Feldarbeit gebaucht. Thinlas Lhamos Familie besitzt Schafe, einige Yaks, und Gersten- und Erbsenfelder, die das Überleben sichern sollen.
Wenn Thinlas Lamo am Abend müde mit ihrer Herde nach Hause kommt, läuft ihr schon die kleine Schwester Eshey entgegen und ruft: „Achele, Achele…“ (Schwester, Schwester) … aber es dauert noch, bis alle Tiere im Verschlag untergebracht sind, und das Tor des Stalls verriegelt ist.
ImageThinlas Lhamo trägt Eshey, die ungeduldig auf und ab hüpft, auf dem Rücken ins Haus. In der Rauchküche bekommt sie von ihrer Mutter eine Schale Buttertee und ein wenig Tsampa, und dann hilft sie ihrer Mutter beim Aufwickeln von Schafwolle, denn Mutter strickt die besten und wärmsten Westen und Hauben für alle.
Thinlas Lhamo beginnt wie schon so oft von ihrem Herzenswunsch zu sprechen: Amale, ich möchte in die Schule gehen…ich möchte lernen…
Die Mutter seufzt. Sie würde es Thinlas Lhamo gern gönnen, vor allem, da sie selbst nie eine Schule besucht hat. Wer weiß, vielleicht wird ihre Tochter ja einen Beruf erlernen… aber sie braucht sie noch so dringend hier am Hof… es gibt kein Brennholz und die Winter sind lang und hart. Thinlas Lhamo muss Schafe hüten und den kostbaren Dung von den Yaks, Ziegen und Schafen sammeln, denn das ist das wertvolle Brennmaterial…
Aber vielleicht….sie wird Vater fragen, wenn er wieder einmal nach Hause kommt.
Nun wird ja auch Eshey schon bald in dem Alter sein, wo sie Schafe hüten kann…

ImageFünf Jahre später:
Thinlas Lhamo ist glücklich. Sie hat nach fünf Schuljahren in Lingshed das Aufstiegszeugnis für das Gymnasium in Khaltse geschafft. Sie lernt gern, sie liebt die Schule. Der lange Schulweg von mehr als einer Stunde hat sie nie gestört. Mit ein paar Fladenbroten und einem Becher gekochter Erbsen oder Tsampa ausgerüstet ist sie über die Wiesen, Steine und Hügel gelaufen, über die Bewässerungskanäle gesprungen, bis zur Dorfschule, die allerdings nur aus einem uralten , baufälligen Verschlag bestand… gerade genug als Unterstand für die 20 oder 30 Kinder, die nach und nach eintrafen. Auch die Lehrer kamen damals nicht regelmäßig… vor allem die nicht in der Gegend ansässigen…wer wollte schon in dem entlegenen  Dorf bleiben? Die 4 Tagesmärsche dorthin, die über zwei Fünftausender führen, die reißenden Bäche, das unwirtliche Klima…keine Lehrerwohnungen…nein, da kehrten viele nach einigen Wochen wieder um. Im Winter gab es für mehrere Monate überhaupt keinen Unterricht, wer sollte denn über die eisigen Pässe kommen? Trotzdem: Für Lhamo bedeutete Lernen das Tor zur Freiheit. Für uns ist Bildung selbstverständlich, für sie ist es die Verbindung zu einer neuen Welt. Sie will weiter lernen, vielleicht sogar selber Lehrerin werden.
Nun ist es also soweit:
Sie darf nach Khaltse ins Internat, mit ihren Freundinnen, die es auch geschafft hatten. Es gilt Abschied zu nehmen für lange Zeit. Die nächsten Ferien sind weit.

ImageFünf Jahre später:
Thinlas Lhamo ist nun Internatsschülerin in der Bezirkshauptstadt Khaltse. Sie besucht die 10. Klasse. Das Leben im Internat ist genau eingeteilt, die Prüfungen sind schwer. In den Sommerferien geht sie nach Lingshed, erzählt von ihrem neuen Leben als Gymnasiastin, hilft selbstverständlich auf den Feldern und bei der Hausarbeit mit. Die Eltern haben inzwischen einen großen Entschluss gefasst: Die  Schwester Odsal ist ins Nonnenkloster Lingshed eingetreten, das kürzlich eröffnet wurde. So haben sie eine Esserin weniger zu versorgen. Der Bruder Stanzin und die kleine Eshey helfen zu Hause mit. Ab und zu besucht Eshey die Schule in Lingshed.
Leider nicht regelmäßig, denn die Eltern und der Bruder schaffen die Arbeit nicht alleine. Thinlas Lhamo lernt am Abend mit Eshey… ach wie gern wäre sie Lehrerin. Dafür müsste sie aber die schwere Prüfung nach der 12. Klasse bestehen, das „golden Exam“ wie sie es nennen. Die Eltern erzählen von den Fremden aus Österreich, die nun schon seit einigen Jahren jeden Sommer ins Dorf kommen und sich für die Schulbildung einsetzen. Sie nennen sich „Friends of Lingshed“. Sie haben Jampal, den ortsansässigen Apotheker, als Privatlehrer angestellt, und nun geht auch Eshey lieber zur Schule . Jampal ist ihr vertraut, er ist lustig und kennt die schönsten Lieder! Jampal und der von der Regierung angestellte Lehrer verstehen sich gut und arbeiten gern zusammen. Es wird auch von einem neuen Schulbau, einer Solarschule gesprochen, welche die Österreicher in Lingshed bauen wollen. Mutter und Vater waren bei einer Besprechung im Kloster. Sie stimmten dafür und versprachen, sollte der Plan realisiert werden, beim Holztransport zu helfen.
Thinlas Lhamo bereitet sich jeden Winter intensiv auf die schweren Prüfungen vor.
Die Friends of Lingshed haben ein Nachhilfesystem für den Winterunterricht in Khaltse eingerichtet. Alle Lernwilligen können den Winter über im Internat in Khaltse bleiben. Für Nachhilfelehrer in den wichtigsten Fächern, Beheizung, Taschengeld und Essen sorgen die Friends of Lingshed. Lhamo hat diesen Winterunterricht fast jedes Jahr in Anspruch genommen. Sie fühlt sich sicherer und ihrem Ziel näher.

Image
Zwei Jahre später in Lingshed:
Die Idee der Österreicher, eine Schule zu bauen, die durch Sonneneinstrahlung erwärmt wird, ist nun im Dorf Lingshed Wirklichkeit geworden. Das gesamte Dorf  und viele Mönche vom Kloster Lingshed sind bei den Eröffnungsfeierlichkeiten dabei.
Von nun an können die Kinder von Lingshed auch im Winter die Schule besuchen.
Das ist ein großer Schritt für die Zukunft des Dorfes!
Thinlas Lhamos Geschwister besuchen den ganzen Winter lang den Unterricht, denn die Friends of Lingshed sorgen dafür, dass von nun an einheimische Lehrer und Lehrerinnen (und Lhamo kennt sie alle) den Unterricht abhalten - im Sommer wie im Winter.
Von Anfang an waren die Friends of Lingshed bestrebt, keine Privatschule zu gründen, sondern das ladakhische Schulwesen zu unterstützen- zuerst mit zusätzlichen Lehrern und Lehrerinnen aus dem Dorf und der näheren Umgebung, danach mit dem Gebäude dieser Sonnenschule, vor allem für den harten und langen Winter.
Und wie man sieht, hat das Vorbild der Österreicher Wirkung gezeigt. Als Lhamo die Schule besuchte, waren es nur an die dreißig Kinder, jetzt schon über hundert, die regelmäßig in die Schule gehen. Bald nach dem Bau der Solarschule wurden vom Staat ein Internat für die Kinder aus den umliegenden Dörfern und ein weiteres Schulgebäude errichtet. Nun ist Lingshed sogar zur Zentralschule der gesamten Region geworden, mit einem großen Schulgebäude, einem großen Internat und Lehrerwohnungen. Thinlas Lhamo ist stolz auf ihr Dorf und das Schulzentrum. Sie weiß, dass die Österreicher den Anstoß gegeben haben.
Sie ist nun in der 12. Klasse in Khaltse und bereitet sich auf die wichtigste Prüfung vor. In den Sommerferien hat sie die „Friends of Lingshed“ auch näher kennengelernt, denn sie veranstalteten eine Exkursion mit allen Schülern und Schülerinnen. Thinlas Lhamo hatte ihre Gegend noch nie verlassen, bei dieser Reise aber lernte sie die Klöster Shey und Thikse, Rizong, Alchi und Likir kennen.
Auf der langen Busfahrt wurde laute Musik gespielt - ladakhische Popmusik- und im Bus – trotz der Kurven- ununterbrochen gesungen und getanzt! Die Österreicher sangen mit, so gut sie konnten.
Thinlas Lhamo hat die Prüfung gut geschafft, sich in Leh bei der Schulbehörde angemeldet, sie möchte in ihrem Heimatdorf Lingshed als Lehrerin arbeiten.
Und es klappt. Sie meistert die Aufnahmeprüfung und die Tests und verpflichtet sich, fünf Jahre lang - begleitend zum Unterricht - jeweils im Winter die Fortbildungskurse zu besuchen.

Überglücklich tritt sie 2004 ihren Dienst in der Centralized Middle School of Lingshed an.

Diese Geschichte ist im Magazin von Weltweitwandern erschienen: Weitblick Ausgabe 1 (Juni 2008)



 

2006 Eva Khil Tagebuchaufzeichnungen
Image
Heute haben wir die Kinder zu einer Bastelstunde in die Solarschule eingeladen. Es sind zur Zeit Ferien in Lingshed, aber die meisten Kinder sind im Ort. Gegen 10 Uhr sehen wir die Kinder aus allen Richtungen heranwandern, stolz tragen sie ihre Schuluniformen und Kappen, die sie von den Friends of Lingshed gesponsert bekommen  haben.
Wir haben verschiedene Solarbausätze mitgebracht: Windräder, Hubschrauber und Flugzeuge aus Sperrholz, betrieben mit winzigen Solarpaneelen, dazu Schraubenzieher, Hammer, Nägel und Schrauben. Das befürchtete Chaos beim Zusammenbauen bleibt aber aus. Die ladakhischen Kinder sind für uns ungewohnt diszipliniert. Sie warten geduldig am Boden sitzend, bis sie an der Reihe sind, etwas anzuschrauben oder zusammenzustecken. Ich glaube, es müsste  eine Wonne für österreichische Lehrer sein, hier zu unterrichten.  Als alle Modelle fertig sind und sich die Kinder zum gemeinsamen Foto sammeln, werden noch Bilder vom Dalai Lama und Zuckerln verteilt und im Hintergrund schauen sich auch die Erwachsenen interessiert die solarbetriebenen Holzmodelle an. Ich glaube, auch sie hätten zu gerne an der Bastelstunde teilgenommen.

Mehr im Projektbericht vom Sommereinsatz 2006 von Eva Khil.

2006 Brief Lehrerin Padma Chozin
Image
Padma Chozin
Padma Chozin, einst Schülerin der kleinen Dorfschule in Lingshed, ist nun erwachsen und schrieb uns heuer im Sommer diesen Brief:

Dearest friends of Lingshed,

my name is Padma Chozin.
I am 21 years old. I belong to a big family with 11 family members.
My father is a farmer and my mother is a housewife.
I am very grateful for the members of Friends of Lingshed who have been supporting Lingshed since I was studying in Lingshed.
I also got your support in Khaltsi Hostel.
After completing the 12 th class from Government Higher Secondary school Khaltsi I took admission at Degree College through your support.
Image
Studentenzeit in Leh (Padma Chozin rechts)
But I studied there only 10 months, then I left the college.
Actually I like to teach in backward areas like Lingshed , because I also belong to a backward area and my first schooling started in a backward area. Really I think I am a lucky girl because I reached this goal.
That was your great help. So I never forget your kindness in my life.
Please pardon me if any mistake, I wrote quickly.
Thank you very much,
yours loving
Padma Chozin
Teacher at Middle School in
Lingshed
2005 Lisbeth Brugner-Ayadi Patenkinder
Weiterlesen